#NACHHALTIGERADIOLOGIE

Nachhaltigkeit: Auch in der Radiologie ein wichtiges Thema

Wie können niedergelassene radiologische Praxen nachhaltiger werden? Das beschreibt Prof. Dr. Henrik Michaely am Beispiel des MVZ Radiologie Karlsruhe, dem er als Ärztlicher Leiter und CEO vorsteht, in diesem Gastbeitrag für unsere Reihe #NachhaltigeRadiologie.

Prof. Dr. Henrik Michaely © MVZ Radiologie KarlsruheAls radiologische Großpraxis benötigen wir Tag für Tag für den Betrieb und die Kühlung unserer fünf Kernspintomografen (MRT), für die beiden Computertomografen (CT), die Mammographie, unsere Röntgengeräte mit den dazugehörigen Servern und nicht zuletzt auch für unsere zahlreichen Arbeitsplatzrechner große Mengen an Strom.

Deshalb nehmen auch wir die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sehr ernst und decken unseren Energiebedarf bereits seit dem Jahr 2020 zu 100 Prozent durch grünen Strom aus erneuerbaren Energien mit verpflichtendem Herkunftsnachweis (Guarantee of Origin – „GoO“). So sparen wir allein 2020-2022 mehr als 1.360 Tonnen CO2!

Neben der Umstellung auf Ökostrom bemühen wir uns jedoch auch um die Verringerung unseres Stromverbrauchs. So investieren wir regelmäßig in Geräte der jeweils neuesten Generation, die einen deutlich niedrigeren Bedarf an Energie haben und über spezielle Techniken zu deren immer effizienterer Nutzung verfügen. Außerdem haben wir unsere Praxis als deutschlandweit eines der ersten Radiologischen Institute mit einem sogenannten „ESaver“ ausgestattet, der durch Verminderung von Spannungsschwankungen zu einer Reduktion des Stromverbrauchs von in unserem Fall bis zu 15 Prozent führt. Wir sparen so jährlich 140.000 -150.000 kWh Strom und senken gleichzeitig die allgemeine Netzbelastung. Derzeit planen wir darüber hinaus eine eigene Photovoltaik-Anlage und stellen unsere gesamte Beleuchtung nach und nach auf energiesparende LEDs um.

Auch sonst arbeiten wir kontinuierlich an der Verringerung unseres ökologischen Fußabdrucks. So reduzieren wir seit Jahren unseren Verbrauch an Kontrastmitteln, die zwar für den Menschen ungefährlich sind, sich aber nach dem Ausscheiden in der Natur ansammeln können. Modernste Technik ermöglicht vielfach einen Verzicht auf Kontrastmittel ohne Qualitätseinbuße bei der Bildgebung. Seit 2015 haben wir trotz jährlich leicht steigender Untersuchungszahlen die Kontrastmittelmenge für die Kernspintomografie im Durchschnitt um 33 Prozent, für das CT um 12 Prozent gesenkt. Nicht benötigte Kontrastmittelreste werden gesammelt und dem Recycling zugeführt.

Eine weitere „Müllquelle“ haben wir ebenfalls weitestgehend eliminiert: Statt einer CD, die nicht selten nach einiger Zeit weggeworfen wurde, erhalten alle Patienten geschützten Zugang zu unserem Onlineportal, wo ihre Patientendaten und alle Bilder zeitlich unbegrenzt und jederzeit verfügbar sind. Der Verbrauch von CDs, CD-Hüllen und Tonern für das Bedrucken der CDs entfällt damit. Dass wir außerdem unsere Praxiswäsche und Dienstbekleidung ressourcenschonend reinigen lassen, versteht sich von selbst. Und nach der Abschaffung unseres ehemaligen Praxisautos haben wir kürzlich sogar bereits ein erstes Dienstfahrrad (ja, das gibt’s wirklich!) in Betrieb genommen.

Zur Person

Prof. Dr. Henrik Michaely ist seit 2013 niedergelassener Facharzt für Radiologie und im MVZ Radiologie Karlsruhe tätig. Sein Studium der Humanmedizin absolvierte er in Heidelberg, Innsbruck und New Orleans, seine Facharztausbildung in München und Mannheim. 2011/2012 hatte er eine Gastprofessur am Massachusetts General Hospital der Harvard University inne. Professor Michaelys fachliche Schwerpunkte sind die Kernspintomografie und die Computertomografie.